Wenn man sich etwas ganz, ganz, ganz fest über Jahre hinweg, mehr oder weniger intensiv wünscht, dann muss es doch irgendwann einmal in Erfüllung gehen, oder? Besonders wenn es sich sowieso um etwas Unvermeidbares handelt und es nur eine Frage der Zeit ist, bis es eintritt. Aber kann man den Zeitpunkt nicht irgendwie vorziehen, vielleicht mit jemand anderen tauschen? Naja, tauschen ist wohl eher nicht möglich. Aber warum eigentlich nicht? Warum kann man, besonders wenn mann sowieso selbst nichts wert ist und nicht mehr mag, nicht einfach mit jemandem Tauschen, der die Zeit viel besser und schöner nutzen könnte? Es ist schade, dass das nicht möglich ist, finde ich. So muss jeder mit seiner Zeit selbst zurechtkommen, die er hat. Aber was ist, wenn er sie gar nicht richtig zu gebrauchen weiß und auch gar nicht möchte? Wenn alles eine einzige lange Qual ist? Muss man wirklich so lange bleiben, bis es von selbst endet? Ist es nur erlaubt indirekt nachzuhelfen, die Zeit schneller enden zu lassen oder darf man auch direkt eingreifen? Oder ist es gar schon zu viel, trotz besseren Wissens Dinge zu tun, die die unter Umständen die Zeit schneller enden lassen könnten? Und wer verbietet es überhaupt? Vielleicht verbietet es ja gar niemand. Recht überlegt kann ich mich nicht erinnern jemals eine solche Vorschrift gelesen und abgesegnet zu haben. Am Ende ist es wahrscheinlich doch nur ein von Menschen erdachtes Verbot. Wahrscheinlich ist es sowieso egal was man macht und man kann machen, was man will. Aber was ist, wenn doch alles irgendwie Konsequenzen hat? Am besten wäre es wohl, wenn man so leben könnte, wie es einem gefällt und niemand traurig und deprimiert sein müsste. Es wäre wohl alles viel schöner, wenn Menschenleben so geachtet werden würden, wie es weithin propagiert wird. Aber so ist es leider nicht. Ganz im Gegenteil, so wie es ist, finde ich es eher ein bisschen komisch, fast heuchlerisch, wenn dauernd gesagt wird, dass jedes Leben wertvoll ist. Ich habe das Gefühl, dass das nur eine leere Floskel ist, bestimmt irgendwann einmal von jemandem voller Ernst erdacht und theoretisch auch richtig, da ein Leben so gesehen ja wirklich unersetzbar ist, aber in Wirklichkeit gilt das höchstens für einen selbst und nahe Angehörige, während es für den Rest der Welt wohl noch am ehesten eine statistische Größe darstellt. Ganz abgesehen davon, dass in Kriegen massenweise solch unendlich wertvolle Menschenleben geopfert werden. Einfach so. Das alleine ist doch schon ein Widerspruch in sich. Wenn ein Leben wirklich so kostbar wäre, könnte ein vom Volk gewählter Vertreter doch niemals Menschen in Kriege schicken und anschließend vielleicht sogar wiedergewählt werden. Da stimmt doch etwas mit den Wertevorstellungen ganz und gar nicht. Aber das ist bestimmt etwas ganz Anderes, weil es dabei um die Verteidigung des eigenen Landes oder was auch immer geht und so den Tod anscheinend zu etwas Heroischem, Ehrenvollen macht, so ehrenvoll, dass sogar unschätzbar kostbare Menschenleben damit aufgewogen werden können, wobei man an die zivilen Opfer gar nicht denken darf, die dann wohl als Kollateralschaden bezeichnet werden und so auch einer guten Sache dienen durften. Ich finde das alles so scheinheilig, in Wirklichkeit zählt so ein Menschenleben gar nichts.wenn es vielleicht nicht gerade eine Berühmtheit betrifft, was dann natürlich besonders tragisch ist. Ich möchte damit nicht sagen, dass man jedem Menschen, sei er einem auch noch so fremd, nachtrauern muss, ich finde es nur irritierend, wie mit Menschenleben im Allgemeinen umgegangen wird. Es ist mir zutiefst unverständlich, wie man Menschen so behandeln kann, teilweise müssen doch alle für dumm gehalten werden, das schlimmste daran ist, dass es den Anschein hat, dass es wirklich so ist. Vielleicht möchte man das auch gar nicht sehen, vielleicht kann man es gar nicht fassen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass all diese Floskeln nur dazu da sind, die Menschen zu beschwichtigen, damit keiner auf die Idee kommt, dass wir in einer total brutalen Gesellschaft leben, in der nur selten jemand auf den anderen wirklich Acht gibt.
Aber wenn man mal von solchen Massenmorden absieht. Wie wird der Wert eines Menschen überhaupt definiert? Einen großen Teil macht bestimmt der Beruf aus und was man da an besonderen Begabungen vorweisen kann, Wissenschafter werden an ihren Forschungsergebnissen gemessen, Verkäufer an ihren Verkaufszahlen, Fließbandarbeiter an der produzierten Stückzahl, Sportler an ihren Leistungen und so weiter. Aber was ist, wenn man in seinem Beruf nicht besonders erfolgreich ist, ist man dann nicht automatisch ziemlich wertlos für die Gesellschaft im Allgemeinen? Ständig steht man unter Leistungsdruck und muss immer irgendetwas erreichen, darf nichts falsch machen und muss oft in ständiger Angst leben. Auch für ein Unternehmen dürfte daher ein Menschenleben wohl von besonderem Wert sein, wenn sie Arbeiter und Angestellte massenhaft entlassen, damit der Gewinn um wenige Prozent gesteigert werden kann, wenn überhaupt. Wenn man dann plötzlich ohne Arbeit dasteht, macht es dann auch kaum einen Unterschied, ob begründet oder nicht und man wird automatisch als asozial bezeichnet. Es kann nicht in Ordnung sein, dass Menschen auf andere Menschen einfach losgehen, zumal die genauen Hintergründe im Dunklen liegen. Wie kann man Menschen nur so sehr abwerten, wenn doch jedes Menschenleben so wichtig ist? Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Auf der einen Seite ist sich die Gesellschaft anscheinend darüber einig, dass jedes Menschenleben von unschätzbarem Wert ist und auf der anderen Seite ist doch jeder nur so viel wert, wie er auch leistet. Ähnlich ist es wohl auch im Privatleben. Menschen, die sich öffnen können, auf andere zugehen können, frech sind und so weiter werden von anderen Menschen viel wertvoller empfunden, als Menschen, die verschlossen und still sind, auch wenn sie sonst nett sind. Kaum jemand findet es der Mühe wert, sich für solche Menschen Zeit zu nehmen. Aber dafür gibt es ja auch Therapeuten, die das für Geld machen, dafür aber professionell. Wahrscheinlich geht es nicht anders, schließlich ist man ja krank und dafür gibt es eben Ärzte, damit man wieder gesund wird. Damit man so wird, wie es sein soll. Oder vielleicht doch für sich selbst, damit man an die anderen angepasst ist, um glücklich sein zu können.
Aber vielleicht muss man sich gar nicht anpassen, vielleicht muss man nur stärker sein, sofern das nicht schon Anpassen ist. Aber wenn jeder Mensch wichtig ist und angeblich in seiner Individualität gefördert werden sollte, warum muss man sich dann überhaupt ändern, um akzeptiert werden zu können? Es ist wohl so, dass man sich nicht alles gefallen lassen und nicht alles gleich an sich heranlassen darf. Man muss wohl darauf Acht geben, sich immer selbst genug wert zu sein, damit man nicht untergeht und jeden Lebenswillen verliert. Es ist wohl wichtig egoistisch zu sein, auch wenn man es nicht gut findet. Ich mag das alles gar nicht und werde wohl weiter wünschen müssen.
der-Schüchterne - 29. Okt, 17:36
Ich hab mir vorgenommen, dass ich heute mal über was Schönes schreibe, so zur Abwechslung. Leider fällt mir gar nichts ein. Aber irgendetwas muss es da doch geben, von dem ich auch erzählen kann. Draußen wird es wieder langsam trüb, ich mag trübes, regnerisches Herbstwetter, aber davon hab ich ja schon erzählt, also auch nichts Neues. Ach ja, heute ist ja Nationalfeiertag und ich hab frei, es fällt mir wirklich sehr schwer schöne Dinge zu erkennen. Anscheinend ist es wirklich so, dass ich das Schöne in meinem Leben gar nicht mehr sehe, sondern nur noch das Schlechte, das mich traurig macht. Aber warum denn nur? Ich wollte doch nie so negativ sein, trotzdem bin ich es nur noch und komme da gar nicht mehr raus. Warum fällt es mir so schwer zu Glauben, dass man es ernst mit mir meint, wenn mal jemand nett zu mir ist? Irgendwie versuche ich immer gleich alles abzublocken und mich ganz schlecht zu machen, wahrscheinlich, damit man mich nicht verletzen kann. Ich fühle mich aber auch immer viel zu schnell verletzt und habe immer gleich das Gefühl, dass man mich nicht mag. Oh, ich werde schon wieder trübsinnig…
Gestern habe ich einer Beratungsstelle geschrieben. Mal sehen, was sie zurückschreiben. Ich bin gespannt und hab gleichzeitig Angst, dass mich die Antwort auf irgendeine Art runtermacht, aber wenn es so ist, dann soll es wohl so sein und hilft mir hoffentlich. Trotzdem befürchte ich stark, dass sie mir auch vor allem eine Therapie empfehlen werden. Aber ich glaube nicht, dass ich das derzeit schaffe. Mal sehen, vielleicht kommt ja doch alles ganz anders, als ich es befürchte und zerstören kann man an mir sowieso kaum noch etwas.
Naja, richtig positiv ist der Beitrag jetzt auch nicht geworden, aber ich hoffe, zumindest ein bisschen mehr als die Letzten. Ich werde jetzt wohl die letzten Seiten des Buches lesen, dass ich schon vor mindestens zwei Monaten angefangen habe. Ich brauche zum Lesen immer so viel Zeit und kann nur lesen, wenn es mir halbwegs gut geht und ich mir sonst keine allzu großen Sorgen mache. Ich würde mich auch gerne mit Büchern ablenken können, so wie andere das machen. Aber wenn es mir nicht gut geht, bin ich gerade noch zum Allernötigsten fähig und sonst kreisen meine Gedanken nur um das Problem und lähmen mich. Was noch dazu kommt, ist, dass sobald ich ein Problem mehr oder weniger gelöst habe, automatisch wieder mein Einsamkeitsgefühl zum Tragen kommt, das mich gleich wieder runterzieht. Mich macht das alles so hilflos und trotzdem schaffe ich es nicht, mich zu ändern.
So, bevor es jetzt doch noch ganz negativ wird, wünsche ich allen noch einen schönen Tag und ein ganz besonders schönes Wochenende!
der-Schüchterne - 26. Okt, 15:06
Ich fühle mich noch immer so schlecht und bin todtraurig. Aber irgendwie muss es gehen. Vielleicht nehme ich mal ein schönes, heißes Bad. Das hab ich schon lange nicht mehr gemacht. Hoffentlich macht es mich nicht noch trauriger. Eigentlich macht mich in letzter Zeit alles nur noch traurig, egal was ich mache. Für eine Therapie konnte ich mich auch noch nicht entschließen. Ich mache nie etwas richtig und ich hab so große Angst, außerdem fehlt mir die Kraft für alles.
Ich hab mir überlegt jetzt öfter zu schreiben, dafür aber weniger, mal sehen ob ich das schaffe.
der-Schüchterne - 24. Okt, 19:04
Eigentlich gibt es kaum Neues zu berichten. Ich fühle mich noch immer nicht besonders gut, aber ich wollte hier unbedingt wieder etwas schreiben. Wenn ich morgens aufwache und nicht aufstehen muss, liege ich noch immer mindestens eine Stunde nur so im Bett und habe ganz traurige Gedanken. Irgendwie ist es gar nicht gut, wenn ich zum Nachdenken komme, weil es mich fast immer sehr traurig macht, aber ich kann meine Gedanken auch nicht abstellen.
Ich habe das Gefühl, dass ich mich nicht ändern kann und dass alles höchstens noch schlimmer werden kann, selbst wenn ich mir wirklich Hilfe nehmen würde. Ich weiß, ich sollte es zumindest erstmal ausprobieren und außerdem meine Einstellung ändern, aber ich kann einfach nicht daran glauben, außerdem kostet es viel zu viel Überwindung, die ich nicht habe. Ich bin eben ein völlig hoffnungsloser Fall. Immer wieder treffe ich Menschen im Internet, die wirklich nett zu mir sind und meinen, dass sie mir helfen möchten und so lange bleiben, wie ich mag und es mir besser geht, doch irgendwann sind bis jetzt die meisten davon einfach so verschwunden. Ich werde inzwischen schon immer richtig traurig, wenn ich so etwas wie: „Ich lasse dich nicht im Stich.“ höre, die, die das sagen, sind dann meistens die Ersten, die fortgehen, wenn sie merken, dass man wirklich Probleme hat oder man ihnen langweilig wird und ich werde ganz, ganz schnell langweilig. Ich bin schon so oft einfach allein gelassen worden, dass ich Angst habe, dass wenn ich mal jemanden treffe, der mich braucht und nicht alleine gelassen werden möchte, dass ich dann wohl auch einfach so verschwinden würde, weil ich einfach völlig kraftlos geworden bin. Zum Glück würde mich sowieso niemand aushalten. Ich mag mich eigentlich nur noch zurückziehen und verstecken.
der-Schüchterne - 21. Okt, 15:58